Likeness (2026)
Exhibition views and an English version below.
Im Projektraum des Museums Katharinenhof in Kranenburg zeigte ich vom 15. März bis 3. Mai 2026 die Ausstellung „Likeness“. Der Titel spielt auf Ähnlichkeit und Wiedererkennbarkeit an. Er lenkt den Blick auf die empfindliche Verbindung zwischen Körper, Bild und Ich-Gefühl. Diese Spannung bildet das Zentrum der gezeigten Arbeiten, die während ihres Arbeitsaufenthalts im Rahmen des Programms Borderland Residencies zwischen September 2025 und Februar 2026 entstanden sind. „Borderland Residencies“ ist ein internationales Künstler*innen-Programm in der Region Maas-Rhein.
Die titelgebende Videoinstallation „Likeness“ besteht aus zwei Plexiglas-Scheiben, auf die zwei Videos projiziert werden. Die Videos zeigen Körper: Ich bewege mich im Gaststudio vor einer Videokamera. Ich trage einen Anzug, der den ganzen Körper bedeckt, und mache jede Bewegung zweimal. So entsteht ein Spiel zwischen Gleichheit und kleinen Unterschieden. Ich greife Bewegungen aus früheren Arbeiten wie „White Balance“ oder „Subcooled“ auf und entwickle sie weiter.
Die Plexiglas-Scheiben hängen frei im Raum. Die betrachtende Person steht nah an den Scheiben, denn der kleine Raum lässt keine große Distanz zu. Es kann ein intensives Gefühl von Nähe entstehen. Die Arbeit lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie Sehen und Spüren mit dem Erkennen der eigenen Person im Gegenüber zusammenhängen.
Die zweite Arbeit, „White Balance (Wandobjekt)“, erweitert dieses Nachdenken in den Bereich des Materials. Ein Stahlrahmen trägt Stoffstücke, die Körperdarstellungen zeigen und mit Magneten übereinander befestigt sind. Die übereinander liegenden Stoffe lassen das Bild der unteren Schicht durchscheinen – eine Überblendung, die man sehen und auch symbolisch verstehen kann. Was man sehen kann, verweist auf das, was man nicht direkt sieht. Es deutet auf einen Körper hin, der sich ständig bewegt und verändert.
In beiden Arbeiten geht es darum, wie unser Körper, sein Bild und unser Ich-Gefühl verbunden sind. Für mich ist es der Körper, der das Erleben des Ich ermöglicht. Der andere Mensch kann Gewalt und Auslöschung bedeuten oder Zärtlichkeit und Freiheit schenken. Diese Haltung berührt ganz persönliche, aber auch gegenwärtige ethische Fragen, die über den Menschen hinausweisen: Wenn eine Software wie zum Beispiel ChatGPT, so wahrgenommen wird, als sei sie ein eigenes Ich, dann fragt man sich: Braucht man einen eigenen Körper? Denn dann wären nur Sprache und Intelligenz entscheidend, ob etwas als bewusst und als eigenständiges Ich wahrgenommen wird – nicht mehr der verletzliche, lebendige Körper. Meine Arbeiten setzen dem etwas entgegen und zeigen den Körper als Ort, an dem ein eigenes Ich entsteht.
Am Ende meines Arbeitsaufenthalts in Kranenburg machte ich zwei Gänge durch das Haus – einmal mit einem Uher Report Tonbandgerät, einmal mit einem Zoom H4n Audiorecorder. Die beiden Aufnahmen habe ich übereinander gelegt und gemeinsam mit dem Künstler Detlef Klepsch leicht bearbeitet. So entstand ein auditiver Kommentar, der die Motive der Ausstellung – Nähe, Wiederholung, Unterschied – aufgreift und in Klang übersetzt. Auch hier geht es um Überlagerungen und das Verhältnis von Körper und Wahrnehmung im Raum. In der Ausstellung sind die Aufnahmen mit Kopfhörern erfahrbar.
Über die Räume des Projektraums hinaus setzt sich die Ausstellung im Außenraum fort: In der Nähe des Projektraums, in einem alten Trafoturm, hängt ein Monitor, auf dem das Video „White Balance (Einkanalversion)“ von 2024 läuft. Darüber ist ein großes Banner mit einem Bild aus dem Video angebracht.
Mit der Gruppenausstellung Tender Territories endete das Programm Borderland Residencies. Ich zeigte eine Variation von „White Balance (Wandobjekt)“.
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At the Projektraum des Museums Katharinenhof in Kranenburg, I present the exhibition “Likeness” from 15 March to 3 May 2026. The title refers to resemblance and recognisability, drawing attention to the fragile relationship between body, image, and sense of self. This tension lies at the core of the works, developed during my residency with Borderland Residencies between September 2025 and February 2026—an international artists’ programme in the Meuse–Rhine region.
The central video installation, also titled “Likeness”, consists of two Plexiglas panels onto which videos are projected. The works show me performing movements in a studio, wearing a full-body suit and repeating each action twice, creating a subtle interplay between sameness and variation. I revisit and develop movements from earlier works such as White Balance and Subcooled.
The panels hang freely in the space, requiring viewers to stand close due to the room’s limited size, which can create an intense sense of proximity. The work invites reflection on how seeing and sensing relate to recognising oneself in another.
The second work, “White Balance (wall object)”, extends this enquiry into material form. Fabric pieces depicting bodies are layered within a steel frame and held in place by magnets. The overlapping layers allow underlying images to show through, suggesting both visual and symbolic superimposition—what is visible points to what remains unseen, hinting at a body in constant flux.
Both works explore the connection between the body, its image, and the sense of self. For me, the body is the basis of subjective experience. The presence of another can imply violence and erasure, or tenderness and freedom. This perspective also touches on current ethical questions: if software such as ChatGPT is perceived as possessing a self, does a body still matter? Would language and intelligence alone suffice for something to be recognised as conscious? My work counters this idea, insisting on the body as the site where the self emerges.
At the end of my residency, I recorded two walks through the building—one using a Uher Report tape recorder, the other with a Zoom H4n. I layered and subtly edited the recordings together with the artist Detlef Klepsch, creating an audio piece that echoes the exhibition’s themes of proximity, repetition, and difference. Visitors can listen to it on headphones in the exhibition.
The exhibition extends beyond the project space: in a nearby former transformer tower, a monitor shows the video “White Balance (single-channel version)” (2024), accompanied by a large banner image.
With the group exhibition Tender Territories, the Borderland Residencies program came to an end. I presented a variation of “White Balance” (wall object).
Photos: Johannes Bendzulla, VG Bild-Kunst